LAG-Workshop für Spielleiter/innen und Theaterpädagog/innen

Der Raum lebt! Nicht?

Workshopleiterin: Petra Linsel, Basel

Montag, 03.09.2018, Weimar (stellwerk e.V. Weimar und andere Räume)

 

ImageDas Ergebnis eines (raum-)gestalterischen Prozesses ist das einer sehr wechselvollen Beziehung, denn er ist ein eigenständiges und ebenbürtiges Lebewesen, mit dem wir im Austausch stehen. Erstaunlich viel Einfluss nimmt er auf seine Ausformung und Setzung, indem er sich mitteilt. Nur das Zuhören fällt uns oft schwer. Aus dieser Perspektive entstehen Situationen, die uns manch überraschende Idee und Ansätze bieten, und uns geradezu herausfordern, sich auf dieses Miteinander mit allen Sinnen einzulassen.

Wir wollen den Raum noch einmal kennenlernen und ein Gespür füreinander entwickeln. Denn schließlich gelingt es nur zusammen, sich in Szene zu setzen und der Phantasie einen geeigneten Boden zu bereiten. Er ist ja nicht nur Dekoration, sondern ein eigenständiges Mitglied einer Inszenierung, das wie alle anderen auch etwas zum Gesamtwerk beizutragen hat.

Dazu werden wir Maß nehmen, die Ohren spitzen und Spaziergänge durch innere und äußere Welten unternehmen. Es gilt, eine gemeinsame Biografie mit dem Raum zu entwickeln, diese darzustellen und anderen davon zu erzählen - Raumgeschichte schreiben und Geschichten einen Raum geben. Und am Ende werden wir einen alten Bekannten vielleicht mit völlig neuem Maß messen und ungewohnten Augen sehen - und einen neuen Spielpartner finden.

 

Arbeitszeiten: Montag, 03.09.2018, 10 – 17 Uhr

Teilnehmer: max. 12 Teilnehmer/innen

Anmeldung: bis zum 24.08.2018, bitte Anmeldevordruck verwenden

Teilnehmergebühr: 20 Euro (ermäßigt: 15 Euro)

 

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Foto: Martin Däster
Petra Linsel - Szenografie

Wo komme ich her?

Kurz gesagt: von der Liebe zum Theater. Nach Musik-Abitur und Tischlerlehre in Gera schloss ich 2006 mein Architekturstudium in Dresden mit Diplom ab. Im folgenden Jahr führte mich der Zufall zur Bühne und ihr bin ich treu geblieben. Sie bietet mir den Raum für die stetige Suche nach inhaltlichen und gestalterischen Antworten im Austausch verschiedener Disziplinen, für den Perspektivenwechsel und die Interaktion zwischen Mensch, Objekt und Raum.

Bis 2010 im Festengagement bei Theater&Philharmonie Thüringen und seit dem als freiberufliche Szenografin widme ich mich hauptsächlich dem Bühnen- und Kostümbild in verschiedenen Genres und Konstellationen. Darüber hinaus hat sich die Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen über bildnerische und experimentelle Mittel intensiviert.

 

Im selben Jahr habe ich ein Aufbaustudium im Masterstudio Design an der Hochschule für Gestaltung und Kunst (FHNW/HGK) in Basel aufgenommen, was ich 2013 mit einer Konzeptarbeit über Ideenfindungsprozesse und das Potential des Zufalls darin abschloss.

Neben meiner szenografischen Tätigkeit und Workshops begleitete ich ab Herbst 2014 als Dozentin an der HGK Basel Studierende aus Design und Kunst bei ihrer schöpferischen Auseinandersetzung. Im Rahmen eines interdisziplinären Lehrprojektes suchten wir über ein Jahr lang gemeinsam nach unkonventionellen Wegen, um neue konzeptionelle und gestalterische Ansätze für ein Museum zu entwickeln.

Die Verknüpfungen zwischen den Fachgebieten und die Bewegung in Grenzbereichen bilden die Grundlage meiner Art zu arbeiten.

 

Was beschäftigt mich?

Wie Räume und Menschen sich gegenseitig wahrnehmen und was dabei abläuft.

Mein besonderes Interesse die Wahrnehmung betreffend gilt der Verknüpfung von Sinneseindrücken, dem assoziativen Umgang mit ihnen und der Suche nach dem, was in Wechselwirkung mit unserem Unterbewusstsein stattfindet. Hier geht es vor allem um das Atmosphärische und darüber hinaus um Bereiche, die wir weder wirklich greifen, noch exakt benennen können. Man könnte es mit der Gefühlswelt zweier Menschen vergleichen, die in ihrem Umgang miteinander nicht immer die richtigen Worte finden, aber doch auf ganz verschiedenen Ebenen versuchen, miteinander zu kommunizieren und sich so gegenseitig beeinflussen.

Solch ein Verhältnis ist stark von einer stetigen Entwicklung geprägt, der eigenen und der gemeinsamen. Mich interessieren insbesondere die Ideenfindungs- und Gestaltungsprozesse. Ich frage mich, was da genau passiert und wie man Einfluss nehmen kann. Irgendwann stellt sich Routine ein, was ja Vor- und Nachteile mit sich bringt. Sehr schmal ist dabei jedoch der Grat zwischen der berühmten „Handschrift“, die einen ausweist und der Wiederholung. Ich suche nach anwendbaren Möglichkeiten, den kritischen Blick auf den Schaffensprozess zu behalten und Muster aktiv und vor allem selbständig zu durchbrechen.

 

Wie arbeite ich?

Für mich ist jedes Vorhaben einzigartig. In der Folge sind auch die jeweilige Konstellation und der Weg zum Ergebnis sehr individuell und immer anders. Mir ist es wichtig, adäquate Lösungen zu finden. Ich arbeite aus dem Inhalt heraus, sozusagen von innen nach außen.

Dabei suche ich nach dem wirklich Essentiellen, dem konzeptionellen Kern, der im Minimalismus seinen gestalterischen Ausdruck findet - das, was wirklich nötig ist.

Ich arbeite mit abstrakten Bildern und suche nach Übersetzungen, um der Phantasie Entfaltungsmöglichkeiten zu lassen, beim Spielen und beim Zuschauen. Mein Gestaltungsansatz ist ein installativer und meine Bühnen lassen Raum zur Interaktion und freien Bewegung darin, sollen selbst erzählen können.

In diesem konzeptionellen Raumdenken geht es um die Gesamtheit alle Bestandteile in einem Gefüge, ihre Zusammenhänge und ihre Wechselwirkungen. Sie bilden dadurch auch eine ästhetische und atmosphärische Einheit oder gehen bewusste Brüche ein. Gestaltung ist für mich somit ein sehr komplexer Vorgang und ein spielerischer Umgang mit den einzelnen Faktoren nur konsequent. Das schließt auch immer die Überlegung ein, welche Rolle der Zuschauer einnimmt und wo er abgeholt wird um ins Geschehen einsteigen zu können, denn auch er ist Teil des Systems.

 

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Der Workshop orientiert sich am Rahmenthema des Bundesfestivals SDL*19: Raum.Bühne

 

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